Dies und Das-klein

Auf dieser Seite möchte ich (ab Dezember 2017) nützliche Inhalte, inspirierende Geschichten und einiges mehr aus dem Bereich des Lachyoga und angrenzenden Themengebieten veröffentlichen, die woanders nicht zugeordnet werden konnten. Eventuell enstehen Unterrubriken, aber dies soll sich ganz organisch mit der Zeit entwickeln.

 

Die gelachte Arschengel-Meditation

Vorab:
„Arschengel“ sind Menschen, die dich sehr fordern, die dir ermöglichen dich zu ärgern, dich aufzuregen, wütend zu sein, aber von denen du viel lernen kannst, z.B. dich abzugrenzen, gelassen zu sein, dich in Empathie und Kommunikation zu schulen und vieles mehr.
Dr. Eckart von Hirschhausen sagt: „Du darfst dich ärgern, bist dazu aber nicht verpflichtet!“

Wir (als „Normal-Neurotiker“) haben die Wahl, uns dauerhaft über jemanden/etwas zu ärgern oder aber etwas dafür zu unternehmen, das zwischenmenschliche Verhältnis zu verbessern. Um deiner selbst willen solltest du von „altem Groll“ loslassen und alles mögliche versuchen um zu vergeben und zu vergessen. Dies ist einer der 5 Punkte die Dr. Madan Kataria empfiehlt, wenn es darum geht, dass „innere Lachen“ zu stärken. Dabei könnten unterschiedlichste Techniken und Methoden helfen. Und mir ist klar, dass es einen sehr großen Unterschied macht, ob es sich bei der Person, der man vergeben möchte, um den „blöden Postboten“ oder um die jahrelange Traumatisierung durch eine Peinigerin geht. Bei letzterem ist ggf. eine professionelle Traumatherapie notwendig.Ärger-klein

Manchmal kann man direkt nach der Meditation eine Erleichterung feststellen, aber meistens braucht es diverse Durchgänge, bis sich ein nachhaltiger Effekt zeigt. Dann kann es sehr gut sein, dass du mehr und mehr von deinen „negativen Energien“ loslassen kannst und der Person anders begegnen wirst. Und wenn du dran bleibst, kann es sein, dass auch dieser Mensch anders auf dich zugeht, dich anders behandelt. Nicht weil du es wünscht oder gar erwartest, sondern weil du dich verändert hast. „Wie du in den Wald hinein rufst…“ 

Allein schon die Vorstellung eines Menschen, mit dem man im Clinch liegt, löst Stressreaktionen im Körper hervor. Phantasien, innere Bilder führen zu körperlichen Phänomenen. Dies führt dazu, dass man sich in der realen Situation entsprechend verhält. Wenn du nun die Vorstellung dieses Menschen mit positiven inneren Bildern verknüpfst, kann dies schon positive Auswirkungen auf die Beziehung haben. Wenn du dies jedoch auch noch mit Lachen (an-, nicht auslachen) und einem positiven Gefühlsausdruck kombinierst, wird auf biochemischer Ebene die Reaktion auf diesen „Arschengel“ verändert. Die Person wird mehr und mehr mit positiven Gefühlen assoziert und du wirst zunehmend (aber du musst dran bleiben) anders mit der Person umgehen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch die Person anders mit dir umgehen wird. Und wenn nicht, erhöht es deine Gelassenheit, so oder so, mit der Situation umzugehen, was natürlich nicht bedeutet, dass du dir alles gefallen lassen musst. Du grenzt dich freundlich aber bestimmt ab, und begegnest der Person dennoch wertschätzend und dankbar. Ich habe nicht gesagt, dass es einfach sein wird :-).

Die Praxis/die Anleitung:
Gehe in einen Raum, in dem du dich wohl fühlst, ungestört bist und dich traust laut zu lachen. Ggf. braucht es dafür etwas Vorbereitung (Telefon abstellen, Personen Bescheid sagen,…)
Sitze möglichst bequem und aufrecht auf einem Stuhl. Deine Füße sollten Kontakt zum Boden haben. Ggf. nutze ein Kissen oder eine Decke.

Schließe deine Augen… erlaube dir dich zu entspannen… atme langsam und ruhig ein und vor allem aus…
Nun stelle dir eine Person vor deinem inneren Auge vor, mit der/dem du ein Problem hast, über den/die du dich geärgert hast und auch noch Ärger oder andere „negative Energie“ vorhanden sind.
Die Person steht in deiner Vorstellung ca. 1,5-2 Meter vor dir… und ihr schaut euch neutral an. Nicht kalt, sondern neutral.
Und du kannst vielleicht erkennen, dass dieser Mensch der dir gegenüber steht, auch nur ein Mensch ist,…
…der/die auch schon viel Leid erfahren hat, genauso wie du.
…der/die auch viele Stärken, aber auch ein paar Schwächen hat, genauso wie du.
…der/die auch schon Menschen, bedingt durch eigene Unsicherheit, Unwissenheit, Angst und/oder Unvermögen verletzt hat, genauso wie du.
…der/die eigentlich auch nur beachtet und gewertschätzt werden möchte, genauso wie du.
Atme…
Nun schau…das Gesicht verändert sich…der neutrale Gesichtsausdruck weicht einem ganz leichten, aber freundlichen Lächeln…in deiner Vorstellung, aber auch real lächelst du mit deinem Mund.
Das Lächeln geht in ein dezentes Lachen über…
(wenn du in der Rolle bist andere anzuleiten, lache auch dezent mit)
Es wirkt stärker und ihr lacht euch an…in deiner Vorstellung aber auch real 
(lache als AnleiterIn selber mit – die Dauer dieses Abschnitts kann/sollte zwischen 1 Minute für Anfänger und bis zu 5 Minuten für Fortgeschrittene variieren).
Das Lachen klingt langsam aus und geht wieder in ein Lächeln über…und ihr seid froh euch so begegnet zu sein.
Ihr verabschiedet euch freundlich und jeder geht seines Weges.
Fühle dieser Begegnung noch einen Moment lang nach…Vielleicht bist du dankbar, diesem Menschen auch mal so begegnet zu sein…
Komme dann langsam wieder mit der Aufmerksamkeit hier zurück in diesen Raum…atme tiefer ein und aus…gähne vielleicht nochmal…fange an dich etwas zu bewegen…dich zu strecken und recken und öffne langsam wieder deine Augen.

Hinweise:
Stelle dir am Anfang nicht deinen „schlimmsten Feind“ (falls du so etwas haben solltest) vor, sondern beginne diese Praxis mit „leichteren Fällen“.
Wie schon oben erwähnt: Diese Meditation ist kein Ersatz für eine evtl. notwendige Therapie.
Die Länge hängt stark vom Einsatz ab und kann zwischen 5 bis 30 Minuten liegen.
Ggf. kann man sie noch mit anderen Elementen, wie z.B. einer Tiefenentspannung und oder anderen/zusätzlichen Inhalten kombinieren, wie z.B. einander in der Vorstellung wertschätzenden Worte austauschen.
Andere Möglichkeiten sich mit dem Thema „Vergebung“ zu beschäftigen, ist die „Tipping-Methode“, „Ho’oponopono“, diverse religiöse Praktiken oder aber in tiefgreifenden Fällen eine entsprechend ausgerichtete Psychotherapie.

 

Die Oberärztin – oder: „Wie du in den Wald hinein rufst…“

In meinem ersten Beruf als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege habe ich lange Jahre in einer Universitätsklinik gearbeitet. Nach ein paar ersten Berufsjahren engagierte und spezialisierte ich mich auf die Betreuung von Patienten, die eine Lebertransplantation (LTX) erhalten sollten. Diese sehr langen und aufwendigen Operationen mit entsprechender anästhesiologischer Betreuung führte ich häufig mit einer Oberärztin durch, welche am Anfang unserer Zusammenarbeit sehr „schwierig“ war. Ich empfand sie als wenig wertschätzend und sie konnte sich für nichts bedanken. Ich fühlte mich schlecht behandelt, machte ich doch einen wirklich guten Job und empfand sie zunehmend als „Zicke“. Ich behandelte sie distanziert, eher „Dienst nach Vorschrift“ und schenkte ihr auch kein dankbares, wertschätzendes Wort. Die Zusammenarbeit eskalierte immer mehr („Teufelskreislauf“), bis ich zu meinem Chef sagte, dass ich mit der Frau keine LTX mehr betreuenAnästhesie-OP-klein werde (dies war ein freiwilliger, zusätzlicher Dienst). Wenn ich im „Tagesgeschäft“ mit ihr 1-2 Stunden zu tun haben muss, halte ich das schon aus, aber nicht 10-15 Stunden während einer LTX. Ich nehme an, dass mein Chef mit ihr gesprochen hat, da auch andere Pflegepersonen mit ihr Probleme hatten. Auf jeden Fall war sie irgendwann etwas nett zu mir. Ein kleines lobendes Wort. Ein „Dankeschön“ hier und da. Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Zeit ist: Ich war nicht sofort auch nett zu ihr! Sie musste erst 5-6 mal nett zu mir sein, bevor ich aus meinem „Schneckenhaus“ herausgekommen bin und auch etwas nett zu ihr war. Das ermöglichte ihr anscheinend noch etwas netter zu mir zu sein, und so weiter und so fort: „Engelskreislauf“. Nach einem halben Jahr war das zwischenmenschliche Verhältnis komplett ausgetauscht, nur durch gegenseitige Wertschätzung, Dankbarkeit, Freundlichkeit und einem Lächeln/Lachen. Danke Heidrun für diese Lehre in meinem Leben!

Damals war ich jung und in solchen Dingen unerfahren. Heute würde ich selber versuchen, das Verhältnis durch ein konsequentes wertschätzendes Verhalten zu verändern, was nicht bedeutet, sich nicht auch trotzdem deutlich abzugrenzen wenig nötig. Um die innere Haltung und damit mein Verhalten gegenüber dieser Person positiv zu verändern, habe ich schon oft die „Gelachte Arschengel-Meditation“ angewendet. Wie Dr. Madan Kataria immer sagt: „Verändere du dich und du veränderst die Welt“, oder wie man in Deutschland sagt: „Wie du in den Wald hinein rufst, so schallt es heraus.“ Das funktioniert nicht immer, nicht immer linear, sofort, aber es ist immer ein Versuch wert.